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Prävention von Atemwegserkrankungen

Atemwegserkrankungen bei Pferden sind keine Seltenheit. Im Durchschnitt hat jedes zweite Pferd mit Atemwegsbeschwerden zu kämpfen. Atemwegserkrankungen zählen nach den Erkrankungen der Extremitäten und damit eingeschlossenen Lahmheiten zu den zweithäufigsten Krankheitsbildern bei Pferden (Krubben et al., 2012). Zu unterscheiden sind akute und chronische Atemwegserkrankungen, wobei festzuhalten ist, dass den chronischen Beschwerden oft ein akutes Geschehen vorausgegangen ist. Atemwegserkrankungen sind stets ernst einzuschätzen und sollten zeitnah von einem Tierarzt abgeklärt werden, damit sich aus einem „einfachen Husten“ gar nicht erst ein chronisches Krankheitsbild entwickeln kann (mehr zu dem Thema „COB: Chronisch obstruktive Bronchitis“ finden Sie hier).

Welche Faktoren bedingen die Entwicklung von Atemwegsbeschwerden?

Das Pferd ist andauernd verschiedenen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Aufgrund seiner evolutionären Entwicklung als ursprüngliches Steppentier reagiert das Pferd auf ein massives Einwirken schädlicher Stäube sehr sensibel. Bakterien, Viren, Parasiten, Ammoniak und Stäube wirken unterschiedlich stark auf sein Immunsystem ein und schwächen es. Mit der Luft aufgenommene Stäube, Ammoniak und Schimmelpilzsporen wirken als Vektoren, wodurch Bakterien und Viren in die Lunge des Pferdes transportiert werden können. Durch ein bereits geschwächtes Immunsystem können sie dann dort Entzündungen sowie Schwellungen der Schleimhaut begünstigen und hervorrufen. Das Immunsystem des Pferdes reagiert mit vermehrter Bildung von zähem Schleim, den das Pferd dann versucht, über Husten loszuwerden, um die Infektionsherde wieder aus dem Körper zu schleusen.
Die Auslöser, die Husten zugrunde liegen, lassen sich somit auf die Umgebung des Pferdes zurückführen und sind verschiedenen Ursprungs. Zu den Ursachen zählen:

  • Bakterien, Viren, Parasiten, Fäkalkeime, Milben
  • Schimmelpilze (Mykotoxine)
    • im Futter
    • in der Einstreu
    • im Stallgebäude
  • Schadgase (Ammoniak)
  • Stäube
    • aus der Einstreu (Stroh)
    • aus dem Futter (Heu- und Futterstäube)
    • aus der Umgebung (beim Kehren des Stalls, beim Misten, beim Einstreuen, bei der Heufütterung)
    • aus Reitböden
    • von Paddocks
  • hohe Luftfeuchtigkeit
  • zu geringer Luftaustausch
  • Zugluft
  • Bewegungsmangel
  • eingeschränkter Stoffwechsel, schlechte Immunabwehrreaktionen
  • zu wenig Bewegung
  • Schaffung falscher Klimareize/ gestörte Thermoregulation
    • durch übermäßiges/ nicht Temperatur angepasstes Eindecken
    • durch zu warme Stallluft mit zu wenig Luftaustausch
  • Pollen und Allergien, genetische Prädisposition
  • Stress

Wichtig ist, dass Husten an sich keine Ursache, sondern ein Symptom ist, weswegen es nicht in erster Linie das Ziel ist, den Husten zu bekämpfen, sondern die Faktoren abzustellen, die den Husten provoziert haben. Die Behandlung von Atemwegsbeschwerden greift somit an zwei Punkten an. Einerseits geht es darum, die Entzündungsprozesse im Körper des Pferdes zu behandeln und die ursprüngliche, gesunde Funktion der Lunge wiederherzustellen, andererseits ist es unabdingbar, den Ursachen entgegenzuwirken und sie auf lange Sicht zu vermeiden. Nur dann haben Pferde die besten Chancen hustenfrei zu bleiben.

Wie behandele ich Husten?

Bei einem hustenden Pferd ist nahezu immer der Rat eines Tierarztes einzuholen. Dieser kann die korrekte Diagnose und die anschließende Behandlung aufstellen. Bei oft wiederkehrendem, oder sehr starkem Husten kann, nach Rücksprache mit dem Tierarzt, eine Bronchoskopie (Endoskopie der Atemwege) mit Entnahme einer Probe des Lungensekrets und anschließender Untersuchung hilfreich sein. Bei Pferden, die vermutlich aufgrund von Allergien Atemwegsbeschwerden zeigen, empfiehlt sich auch das Testen auf Allergene. Weitere Behandlungsmaßnahmen können die Gabe von Schleimlösern oder Kortison sowie Bronchodilatatoren, die inhalativ verabreicht werden, sein. Bei der Wahl der richtigen Diagnostik und Behandlung für Ihr Pferd wird Sie Ihr Tierarzt eingehend beraten. In allen Fällen gilt es die Pferde mit akuten Atemwegsbeschwerden während des Heilungsprozesses nicht zu überlasten und der Lunge genügend Zeit zu geben, zu heilen.

Wie beuge ich Husten vor?

Mindestens genauso relevant wie die eigentliche Therapie der Atemwegsbeschwerden seitens des Tierarztes ist die Optimierung der Haltungs- und Fütterungsbedingungen, ganz gleich, ob das jeweilige Pferd gerade an einer akuten oder chronischen Atemwegserkrankung leidet. Die Umstellung der Haltungs- und Fütterungsbedingungen ist unabdingbar, um Pferde möglichst dauerhaft symptomfrei zu halten und hilft, Husten vorzubeugen. Allem übergeordnet steht die Stärkung des Immunsystems und des Stoffwechsels sowie die Verminderung der reizauslösenden Partikel durch die Senkung des Infektionsdrucks (Stäube, Schimmelpilze, …). Folgende Punkte helfen, die Pferdelunge so gesund wie möglich zu erhalten:

  • Stärkung Immunsystem und Stoffwechsel/ Wohlbefinden
  • Minimierung Partikeleinflüsse
    • Einstreu so staubarm wie möglich und frei von Schimmelpilzen
      • Verzicht auf Stroh
      • alternative Einstreu verwenden
      • Qualität der Einstreu einwandfrei
    • artgerechte Haltung, an die Bedürfnisse des ehemaligen Steppentiers angepasst
      • frische Luft
      • viel freie Bewegung
      • Ruhepausen
      • niedrige Staub- und Schadgaskonzentrationen
      • natürliche Klimareize
      • Stallhygiene! (siehe unten)
      • Wohlfühlklima schaffen
      • Stress vermeiden
    • Bewegung, die Lungen müssen durchlüftet werden, damit der Selbstreinigungseffekt begünstigt wird (aber keine Überlastung!)
      • angepasstes Training (Auslastung, aber keine Überlastung)
      • keine nassen, verschwitzten Pferde eindecken, oder in Zugluft stehen lassen
    • angepasste Fütterung
      • ausreichende Nährstoffversorgung, angepasstes Mineralfutter, keine Überlastung des Organismus
      • gesunder Darm, gesunde Leber
      • Futter, dass für die Lungenfunktion unterstützend wirken kann (Kräuter, Extrakte, …)
      • bei Allergikern auf Allergene abgestimmtes Futter
      • staubfreies Futter von hygienisch einwandfreier Qualität!
      • Heu von einwandfreier Qualität
        • Eventuell Heualternativen (siehe unten)

Zusätzlich kann man das Pferd unterstützen:

  • Inhalation mit Kochsalzlösungen
  • Solekammer (in Kombination mit Aquatraining)
  • Anwendung von Magnetfelddecken
  • Akupunktur

Tipps für die richtige Stallhygiene

Es empfiehlt sich Pferde, die zu chronischen Atemwegsproblemen neigen, in Offenställen zu halten, dennoch ist dies nicht immer pauschal die beste Unterbringung. Ein Pferd mit Atemwegsproblemen ist manchmal in einem sauberen Stall mit gutem Lüftungssystem und ausreichender Wertschätzung seiner individuellen Bedürfnisse besser aufgehoben, als in einem Offenstall aus altem Holz mit eventuellem Schimmelbefall und Staubablagerungen. Oberste Priorität hat die allgemeine (Stall-)Hygiene. Das Ziel ist es, den Infektionsdruck durch einen guten Luftaustausch so minimal wie möglich zu halten.

  • Ställe regelmäßig (1x im Jahr) reinigen und desinfizieren
    • Ausspritzen, Spinnenweben entfernen
    • Tröge und Tränken reinigen, um den Keimdruck zu senken
  • Impf- und Entwurmungsmanagement
    • Regelmäßig
    • Gleichzeitig alle Pferde
  • Pferde beim Misten, Heufüttern, Einstreuen und Kehren nicht im Stall stehen haben
    • um die Staubbelastung zu minimieren
    • Heu, Stroh, Späne nicht aufschütteln
  • nass Kehren
    • Stallgassen vor dem Kehren befeuchten
  • regelmäßige Pflege der Reitböden
  • Fenster am besten 24 h am Tag offen haben, aber Achtung: auf Zugluft achten! Und auf die Temperaturen, bei weit unter 0 Grad können die Tränken einfrieren.
  • auf das Lüftungssystem achten
    • Ziel ist der Austausch „schlechter Luft“ (Schadgase, Stäube, Schimmelpilzsporen) mit frischer Luft, um den Aerosoldruck so gering wie möglich zu halten
    • hohe Luftfeuchtigkeit vermeiden

Das richtige Heu

Ein sehr wichtiger Aspekt bei der Haltung von Pferden mit Atemwegsbeschwerden ist die Fütterung des Raufutters. Da Pferde Dauerfresser sind befinden sich ihre Nüstern wann immer möglich zu einem Großteil des Tages im Heu und nehmen Staubpartikel sowie bei mangelhafter Heuqualität auch Schimmelpilzsporen und Toxine auf, die die Lunge negativ beeinflussen. Anstatt trockenes Heu zu füttern, gibt es die Möglichkeit den Pferden nasses Heu, bedampftes Heu oder Heulage anzubieten.

Heu wässern

Das Wässern von Heu wird oft praktiziert, um die im Heu gebundenen Staubpartikel auszuwaschen. Leider verliert das Heu durch zu starkes Wässern an Schmackhaftgkeit und auch an Nährstoffen. Endotoxine und Myotoxine (Giftstoffe) lassen sich nicht auswaschen. Zudem ist das Wässern an sich aufwendig und es gibt keine einheitliche Meinung darüber, ob das Heu komplett eingetaucht werden muss, oder ob es genügt, das Heu abzuwaschen. Auch über die Dauer des Eintauchens, bzw. Waschens gibt es verschiedene Ansichten. Manche Quellen empfehlen das Heu zehn Minuten komplett im Wasser einzutauchen, andere empfehlen das Heu mit Wasser nur kurz zu übergießen.
Ein weiterer Aspekt bei der Fütterung von nassem Heu ist die gesteigerte Verderblichkeit durch die bei Wärme rasant wachsende Bakterienpopulation in dem nassen Heu, die das Futter im Sommer schneller verderben lassen und so auch zu Koliken führen können. Somit spielen die Wassertemperatur und die Umgebungstemperatur eine wichtige Rolle. Es sollte nie ein großer Vorrat an Heu vorab gewässert werden, da sich bereits nach kurzer Zeit Keime bilden können.

Heu bedampfen

Eine Möglichkeit zur Fütterung von Pferden, die unter einer Atemwegsproblemen leiden, ist das Bedampfen des Heus. Das Heu wird in einem Behälter unter Luftabschluss so lange bedampft, bis es mindestens 80 Grad Celsius erreicht hat. Durch das Bedampfen werden Keime nachweislich reduziert und das Heu wird entstaubt. Das bedampfte Heu muss innerhalb von 24 h verfüttert werden. Zwar werden durch das Bedampfen Keime abgetötet, jedoch kann durch den Vorgang Heu minderer Qualität nicht aufgewertet, oder sogar verbessert werden. Auch das trockene Heu, was bedampft werden soll, muss von hygienisch einwandfreier und bedenkenloser Qualität sein. Das Bedampfen steigert die Schmackhaftigkeit des Heus, führt nicht zu einem Nährstoffverlust, das Heu wird entstaubt und Keime werden vernichtet. Vor dem Verfüttern sollte kurz gewartet werden bis das Heu abgekühlt ist. Der Prozess des Bedampfens dauert in der Regel 45 Minuten. Die Erfahrungsberichte über das Verfüttern von bedampftem Heu an Pferde mit Atemwegserkrankungen sind positiv.

Heulage füttern

Heu wird definiert als ein getrocknetes Grünfutter mit sehr geringer Restfeuchte und einem Trockensubstanzgehalt von über 84 %. Im Vergleich zu Heu zeichnet Heulage sich durch 50-70% Trockensubstanz aus. Nach dem Pressen des Heus wird jeder Ballen in Folie gewickelt, um einen Luftabschluss zu erzeugen, wodurch mithilfe von Milchsäurebakterien das Heu anfängt zu gären. Wichtig ist, dass die Folie unbeschädigt bleibt, da andernfalls Pilze und Bakterien das Futter verderben können. Im Vergleich zu Heu ist der Gehalt an respiratorischen Partikeln in der Heulage bei einwandfreier Qualität dieser signifikant geringer, weshalb sie alternativ bei Pferden mit Problemen der Atemwege verfüttert wird. Zu beachten ist, dass ein Heulageballen in Abhängigkeit vom Wetter innerhalb von drei bis fünf Tagen aufgebraucht werden sollte, um ein Verderben des Futters zu verhindern. Bei der Fütterung von Heulage scheiden sich die Geister. Die Befürworter sagen, dass Pferde die Heulage gut und gerne fressen und runder werden, die Gegner fürchten das Pferde durch die Heulage-Fütterung zu Kotwasser und Koliken neigen. Hauptfaktor bei der Heulagefütterung ist die Gewährleistung einer hervorragenden Qualität, da sonst Endo- und Mykotoxine ihren Verzehr unzumutbar machen.

Heuraufe, Heunetz, Bodenfütterung

Die Art und Weise, wie Heu verfüttert wird, spielt ebenfalls eine Rolle. Fressen Pferde ihr Heu aus Raufen, oder Heunetzen, die oberhalb ihres Kopfes angebracht sind, fallen die relevanten respiratorischen Partikel beim Fressen direkt in die Nüstern und Reizen die Lunge. Auch das Zupfen von Heu aus Heunetzen wird mit einer erhöhten Staubentwicklung beschrieben. Gut eignet sich die einfache Fütterung vom Boden, da die Pferde aus natürlicher Haltung vom Boden fressen können und Partikel zwar eingeatmet werden können, aber nicht direkt in die Nüstern fallen. Noch besser ist die Fütterung aus am Boden befestigten Heuraufen, da das Heu nicht mit der Einstreu vermischt werden kann und so keine Kreuzkontaminationen entstehen können.

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